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Rezension: Wolfgang Brenner: Das deutsche Datum: der neunte November

Wolfgang Brenner beleuchtet in seinem Werk „Das deutsche Datum: der neunte November“ eben jenen oft als Schicksalstag der Deutschen bezeichneten Tag: die doppelte Republikausrufung 1918, der Putschversuch Hitlers 1923, die Reichspogromnacht 1938, das misslungene Hitler-Attentat von Georg Elser und schließlich der Fall der Mauer und das damit eingeläutete Ende der DDR 1989.

Brenner bezeichnet es als „historische Logik“, dass zwischen diesen Daten eine Verbindung besteht: „Der neunte November reagiert auf den neunten November.“ (S. 14)

Der gescheiterte Hitler-Putsch wird aus diesem Blickwinkel als Reaktion auf die Novemberrevolution 1918 gedeutet, da ein Gros der Masse eine Revision der damaligen Ergebnisse anstrebe. Die Novemberpogrome 1938 werden mit den vorigen 9. Novembern verknüpft, da es „seit 1918 einen Willen und seit 1923 einen Plan [gab], es den Juden ‚heimzuzahlen‘. Der Mechanismus der Gewalt war spätestens seit 1923 in Gang.“ (S. 211) Das Hitler-Attentat Elsers am Vorabend des 9. November 1939 konnte durchgeführt werden, da Hitler anlässlich des Putschversuches die Festrede im Bürgerbräukeller hielt. Die friedliche Revolution 1989 wird insbesondere mit der Novemberrevolution 1918 – häufig als unvollendet betitelt – verglichen.

Diese Vergleichsaspekte vermögen durchaus zu überzeugen und ermöglichen dem Leser, Geschichte in ihren Zusammenhängen und Verknüpfungen wahrzunehmen, die auch in die Gegenwart reichen. Als Beispiel hierfür führt der Autor das Thema Brexit an. Mit dem 9. November 1989 sähen die Briten in einem wiedervereinigten Deutschland die Gefahr einer deutschen Dominanz in der EU zu Lasten der übrigen Länder. Dieses Gefühl der Bevormundung resultiere in der Brexit-Entscheidung.

In einem Exkurs wirft der Autor einen Blick auf „50 Jahre ohne neunten November“. In diesem Kapitel stellt Brenner den Umgang mit den 9. Novembern in den beiden deutschen Staaten dar und zeigt somit auch die Veränderung in der Erinnerungs- und Gedenkkultur auf.

Fazit:

Trotz der großen Fülle an Themen und der detaillierten Betrachtung historischer Entwicklungen und Zusammenhänge wirkt das Buch an keiner Stelle langatmig. Dies verhindert Brenner dadurch, dass er die Geschehnisse im Stile einer Reportage darstellt.

Eine lesenswerte Lektüre, die wichtige Kapitel deutscher Geschichte informativ, anschaulich und unterhaltend darstellt.

Produktinformationen
Verlag: Herder Verlag
Autor: Wolfgang Brenner
Erschienen: 19.August 2019 (1.Auflage)
Gebundenes Buch mit 320 Seiten
Preis: 26,00€
(getestet über Literaturtest.de)

P.S.: Die Rezension stammt von meinem Mann – Geschichtslehrer am Gymi


Rezension: Muss mein Kind aufs Gymnasium?

Klappentext (Rückseite):
“Seit dem Pisa-Schock erlebt die deutsche Schule einen radikalen Wandel. Neben dem Gymnasium erscheint eine Vielzahl neuartiger Gesamtschulen auf der Bildfläche. Christian Füller, einer der besten Kenner der Schullandschaften, sieht darin die verspätetete Bildungsrevolution, wie sie 1968 gefordert wurde. Er zeigt, wie heute Kinder aller Schichten individuell lernen – und das Abitur erringen können. Digitale Lernformen breiten sich aus, und dabei wird jene Schule wichtig, die das kritische Lernen einst erfand: das Gymnasium.

Überblick über den Inhalt:
In dem im Oktober 2018 erschienenen Buch von Christian Füller, setzt sich der studierte Politikwissenschaftler und Fachjournalist (Schwerpunkt Bildung und Lernen im digitalen Zeitalter) mit den verschiedenen neuen Schulformen, wie z.B. den Gemeinschaftsschulen auseinander. Er fordert Eltern auf, sich einen Überblick über die aktuelle Schullandschaft zu verschaffen und gibt Einblicke bzw. einen Überblick über sein Verständnis der deutschen Bildungspolitik und der deutschen Bildungslandschaft und deren Folgen. Füller plädiert für einen gelasseneren Umgang bei der Wahl der Schulart. Durch die verschiedenen Gesamt- oder Gemeinschaftschularten soll der Fokus auf die Förderung von Fähigkeiten gelegt werden, um die Kinder fit für die Zukunft zu machen. Um Abitur machen zu können, muss man kein Gymnasium besuchen. Allerdings plädiert er auch für die Erhaltung des Gymnasiums, da es auch künftig noch eine wichtige Rolle in der deutschen Bildungslandschaft spielen wird.

Meine Meinung:

Bei dem Titel hatte ich ehrlich gesagt etwas anderes erwartet. Schon auf den ersten Seiten des Buches merkte ich, dass es hier nicht darum geht, Eltern aufzuzeigen, dass nicht jedes Kind Abitur machen muss, da es ja auch noch andere Wege der Lebensgestaltung gibt – überspitzt formuliert. Daraufhin musste ich das Buch erstmal zur Seite legen und mich mit dem Gedanken anfreunden, ein Buch zu lesen, dass vermutlich in eine ganz andere Richtung geht, als angenommen. Ich geben zu, es fiel mir schwer, es wieder zur Hand zu nehmen. Doch überraschenderweise, ein Blick ins Inhaltsverzeichnis überzeugte mich weiterzulesen, wird auch dieses Problem von Herrn Füller beleuchtet. Er fragt nach Hintergründen der, in manchen Berufen schweren Azubi-Suche und widmet sich auch den Entwicklungen von Pisa-Studie über das sog. “Turbo-Abi” bis hin zur Inklusion. Alles in allem ein Buch, das den Anspruch erhebt einen Überblick über verschiedenste Richtungen des deutschen Bildungssystems zu geben, ohne dazu zu theoretisch zu werden.
Für mich bleibt fraglich, ob die neuen Schulformen dazu dienen (sollten), das Abitur ohne Leistungsdruck zu erreichen oder ob es nicht besser wäre, das “klassische” Abitur zu erlangen, und damit die Studierfähigkeit, die es vermutlich nicht im “Schongang” gibt. Mag sein, dass Herr Füller dies ähnlich sieht, herausgelesen habe ich es allerdings nicht.

Ein interessantes Video der Frankfurter Buchmesse habe ich hier noch gefunden.

Produktinformation:
Autor: Christian Füller
Verlag: Duden Verlag
Erschienen: 1. Oktober 2018 (1. Auflage)
Taschenbuch mit 212 Seiten
Preis: 18,00€
(getestet über literaturtest.de)