Freie Sitzplatzwahl – ein Experiment

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In verschiedensten Instagram-Profilen las man in letzter Zeit viel über flexible Sitzplätze, verschiedenste Möglichkeiten sich Arbeitsplätze verteilt im ganzen Klassenzimmer.

Lange habe ich gegrübelt, ob das wohl zu meiner Klasse passen könnte. Ich habe im letzten Schuljahr wirklich lang gebraucht, bis es eine einigermaßen akzeptable Arbeitsatmosphäre gab, in der auch gelegentlich Freiarbeit möglich war.

Zu Beginn des neuen Schuljahres habe ich dann den Wochenplan in neu strukturierter Form eingeführt, sodass die Kids etwas mehr Orientierung über das von ihnen erwartete tägliche Arbeitspensum haben. So funktionierte es nun die ersten 5 Schulwochen wirklich gut. Also entschloss ich mich nach 2 Wochen die Sitzordnung etwas zu öffnen und schaffte, außen um meine Gruppentische herum, einige weitere Sitzplätze und stellte Regeln zur Sitzplatzwahl auf.

Die nun abgelaufene 3-wöchige Testphase war wirklich gut und ich erkenne meine Chaoten aus dem letzten Jahr kaum wieder, da sie ruhig und konzentriert arbeiten und so endlich auch mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen.

Die Regeln für die Sitzplatzwahl habe ich an verschiedenen Stellen im Klassenzimmer visualisiert. Wer möchte bekommt den Aushang hier.

Ich bin froh, es ausprobiert zu haben. Die Arbeitsatmosphäre im Klassenzimmer schafft mir Raum für detailliertere Beobachtung und Hilfestellung für einzelne Kinder oder auch einfach nur die Möglichkeit, die Hefte, AB’s oder Hausaufgaben öfter zwischendurch durchzuschauen, um eine bessere Standortbestimmung der Kinder vorzunehmen und sie ggfs. in eine andere Gruppe der Wochenplangruppen zuzuordnen.

Wie sind eure Erfahrungen mit flexibler Sitzplatzwahl? Hat es schon jemand ausprobiert?

14 Kommentare

  1. Vielen Dank für das tolle Plakat und den interessanten Einblick.
    Wechselt ihr täglich? Wie läuft das denn dann morgens ab? Gibt es nicht nen stressigen run auf begehrte Plätze? Wähkt man den Platz für den Tag oder ne Arbeitsphase?
    Dein Wochenplan hört sich auch sehr spannend an. Würde mich freuen, auch da mehr zu erfahren bzw. zu sehen, wenn es geht.
    Liebe Grüße,
    Sandra

    1. Hallo Sandra,
      Gewechselt wird täglich bzw. je nach Laune der Kinder. Bisher gab es keine Probleme beim Plätzefinden, einen Run auf bestimmte Plätze gibt es nicht. Die Kinder wissen, dass sie sich einen Platz für den Tag bzw. bis zum Lehrerwechsel suchen. An 1 Tag hab ich ne Hohlstunde, wobei die Kollegin offen ist für die Sitzplatzwahl und daher die Kinder meist wirklich so sitzen bleiben können. Nur für einzelne Arbeitsphasen wäre es mir zu stressig. Wenn wir eine gemeinsame Erarbeitung oder Einführung machen, dann setzen sich die Kinder an die Gruppentische in der Mitte des Raumes, das war die alte reguläre Sitzordnung. Dann weiß ich, dass jeder an die Tafel schauen kann. Ansonsten bleiben sie wie gesagt in den meisten Stunden bei mir so sitzen.

      Zum Wochenplan kann ich gerne noch etwas ausführlicher schreiben – nur nicht mehr heute 🙂
      Grüße Tanja

    2. Hi,
      Erst einmal ❤️lichen Dank für die Regeln. Ich habe die freie Sitzplatzwahl auch in diesem Jahr seit September erstmalig versucht. Mittlerweile ist größere Ruhe eingekehrt. Viele haben sich doch feste Plätze gewählt, manche tauschen auch noch oder wechseln gemeinsam mit einem Freund. Ich werde das auf jeden Fall weiter so handhaben, es fokussiert sehr auf ein gutes Mitarbeiten

      1. Super, dass es bei dir auch so gut klappt.
        Bei mir wird insgesamt recht munter durchgewechselt, meist klappt es ohne mich. In Einzelfällen musste ich nachjustieren und auseinandersetzen, aber sie arbeiten insgesamt so viel ruhiger und konzentrierter!

  2. Liebe Sandra!
    Ich arbeite in einer Sonderschule für verhaltensauffällige und lernbehinderte Kinder. In meiner Klasse dürfen sich die Kinder jeden Tag in der Früh den Sitzplatz frei und neu wählen. Das funktioniert seit Jahren wunderbar. Im Klassenraum gibt es Gruppentische, Zweiertische, Teppiche, Plätze ganz in meiner Nähe usw., also eine ganz bunte Mischung.
    Klar ist, wenn ich merke, dass ein Platz an diesem Tag für ein Kind gar nicht passt, suchen wir einen neuen Platz, an dem es besser arbeiten kann. Das wird von den Kindern auch nicht als Strafe empfunden.
    So ist ein konzentriertes und leises Arbeiten möglich und jedes Kind fühlt sich dafür auch verantwortlich.
    Ich kann das nur empfehlen.

    1. Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Genau das ist ein großer Vorteil in der Wahrnehmung der Kinder, dass es keinen Strafplatz mehr gibt, sondern nur Plätze, an denen ich besser und konzentrierter arbeiten kann. Meine Kinder dürfen sich zudem Kopfhörer holen oder Trennwände zwischenstellen. Die zeige ich bei Interesse auch gerne mal.
      Grüße Tanja

  3. Hallöchen

    vielen Dank für das Schild! Ich bin mir noch so unsicher, ob ich es auch einfach einmal versuchen soll. Viel Platz zum Stellen der Tische habe ich nämlich nicht bzw. sind bei mir auch einige Fachkollegen in der Klasse, die gerne Frontal unterrichten. Sodass ich irgendwie hinbekommen müsste, dass alle von ihren Plätzen aus (damit es ja keine Umstände macht…..- Sitkreis etc. ist für einige nämlich unnötiger Schnickschnack) an die Tafel schauen können….. Vielleicht erlaube ich es ersteinmal nur in meinen Stunden (Wobei – verwirrt die Kids das dann vielleicht?) Ach je. Ich glaube, da muss ich mir noch einmal genau Gedanken drüber machen. Bestärkt durch eure postiven Resonanzen würde ich es auf jeden Fall schon gerne testen.

    Vielen lieben Dank für die Einblicke!

    1. Liebe Ida, das waren auch lang meine Überlegungen. Frag doch die Fachlehrer einfach mal, ob sie einem Versuch zustimmen. Ich habe das Glück alle Hauptfächer zu machen und damit natürlich schon den Großteil der Stunden. Bei mir galt aber auch das ‘zunächst nur bei mir’, wobei die Kollegin da schnell mitgezogen hat, da sie in Englisch und Kunst jetzt auch nicht so viel wert auf eine feste Sitzordnung legte. Die Kinder hatten dafür Stammplätze, zu denen sie selbstständig zurückkehrten, wenn ich nicht im Unterricht war. Das klappte auch super. Außerdem kann laut besprochenen Regeln der Lehrer jederzeit eingreifen, wenn es irgendwo nicht funktioniert.
      Grüße Tanja

  4. Hi,

    wie löst ihr das mit den unterschiedlichen Körpergrößen der Kinder? Ich habe verschieden hohe Stühle und Tische in der Klasse. Die müssten mit den Kindern “umziehen”. Außerdem sind das leider Zweiertische.

    1. Hallo Chris,
      das Problem hätte ich gerne bei uns gibt es keine höhenverstellbaren Stühle oder Tische in Kl.3/4. Noch nicht… daher alles Einheitshöhe – ergo kein Problem.
      Ansonsten natürlich eine spannende Frage!
      Grüße Tanja

  5. Hi,
    ich finde die Idee mit der Sitzplatzwahl super. Eine Zeitlang hatte ich auch die Tornister draußen gelagert, so dass die Kinder wirklich nur die Sachen, die sie brauchten, mit sich herumgetragen haben.
    Leider bin ich bei einer Klasse mit 28 Kindern im Moment einfach froh, dass alle einen Platz haben und man zwischen den Gruppentischen noch durch kommt.
    LG EVA

    1. Oh ja, das ist wirklich ein Problem, wenn die Schülerzahl so hoch ist und der Raum dann gerade so reicht.
      Wobei ich bei mir wirklich erstaunt war, wie viele Plätze ich noch schaffen konnte an der Wand entlang z.B. zwischen 2 Regalen.
      Grüße Tanja

  6. Hallo Sandra,
    durch dich und andere wurde ich ebenfalls inspiriert dieses Schuljahr die freie Sitzplatzwahl auszuprobieren. Meine Schüler dürfen sich morgens immer dann neue Plätze suchen, wenn ich im Klassenzimmer bin (dreimal in der Woche). Wenn andere Lehrer da sind müssen sie so sitzen bleiben, wie sie bei mir zuletzt waren. So haben die Kollegen die Sicherheit, dass die Sitzplatzkombi funktioniert. Erstaunlicherweise funktioniert das hervorragend. So viel Erfolg habe ich dieser Art des flexiblen Sitzens nicht zugetraut. Alle Stressfaktoren wie “darf ich heute neben … sitzen, … ärgert mich, wann setzen wir uns um, …. ” fallen weg. Die Schüler wissen, dass sie sich bald neben einen anderen Schüler setzen dürfen, falls der Nachbar zu viel Stress macht oder eine Freundschaft gerade Abstand braucht. Allerdings haben bei mir manche Schüler Lieblingsplätze, können jedoch auch an anderen Plätzen sitzen, falls er besetzt ist (Ärger gab es dadurch noch nicht). Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass manche Schüler seitdem früher in die Schule kommen, um “ihren” Sitzplatz wählen zu können. 🙂
    Dein Regelplakat finde ich super, da es meiner Regeln entspricht. – Danke
    Zusätzlich habe ich die Tische im Zimmer anders angeordnet. Die Schüler sitzen in den Arbeitsphasen mit dem Gesicht zur Wand. Beim Abschreiben von der Tafel für Merkeinträge oder ähnliches, was sehr selten vorkommt, kann man die Tische schnell nach vorne drehen. Meistens sitzen wir beim Erarbeiten neuer Inhalte im Kreis am Boden oder im Stuhlkreis. Ich erwarte von den Schülern auch, wenn sie an den Tischen sitzen, dass sie sich mit dem ganzen Stuhl zu mir drehen, wenn kurz etwas gemeinsam geklärt wird. Das ist mir für einen gesunden Rücken wichtig. Dadurch sitzen sie auch vom Tisch weg und alle “Spielereien” mit dem Mäppchen… fallen weg – ähnlich wie im Stizkreis.
    Insgesamt kann ich nur sagen, im Moment ist es ein stressfreieres Unterrichten. Es hat sich für meine Klasse und mich gelohnt etwas Neues auszuprobieren.

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